Am 1. September 2009 habe ich beruflich gesehen einen grossen Schritt gewagt. Nach fast 10 Jahren Radio 24 und meinem (mehr oder weniger freiwilligen und stillen) Abschied nach 12 Jahren aus dem Unihockeyverband habe ich in die grosse Welt von König Fussball gewechselt. Als Leiter Kommunikation des FC Zürich begann für mich eine neue Ära. Ich habe eine Dimension betreten, von der ich in Vergangenheit nur träumen konnte. Plötzlich stand ich da auf den grossen Bühnen der Schweiz und auch Europas. Die Gegner hiessen statt Piranha Chur, Burgdorf Wizards oder Red Ants Rychenberg Winterthur von nun an FC Basel, YB, Real Madrid oder AC Milan. Plötzlich habe ich es nicht mehr mit Unihockey-Grössen wie Natalie Stadelmann, Matthias Hofbauer, Mirca Anderegg oder Marc Dysli zu tun. Nun betreue ich die Herren Vonlanthen, Magnin und Leoni und führe Smalltalks mit Raul, Gattuso oder Marco Streller. Andere Namen, andere Dimensionen. Was gleich geblieben ist, das sind meine Emotionen. Das Herzklopfen ist immer noch da. Egal ob in der Churer Gewerbeschul-Halle vor 120 Zuschauern oder im legendären Santiago Bernabeu vor 78'000 Zuschauern ein Spiel verfolge. Wer mich kennt weiss wie ich während den Spielen „meiner Mannschaften“ mitgehe, mitfiebere, mitleide und mitjuble... nach all diesen Jahren hat sich diesbezüglich nichts verändert. Mein Puls schlägt noch immer in nicht bezifferbarem Tempo...früher 3 x 20 Minuten effektiv...heute 90 ja sogar manchmal bis über die 93. Minute hinaus...bei einem Sieg würde ich am liebsten die ganze Welt umarmen...bei einer bitteren Niederlage bin ich der einsamste Mensch auf Erden.
Die Sportart ist heute eine andere in der ich wirke und in der ich lebe. Die medialen Dimensionen sind für einen „Nichtfussballer“ unvorstellbar. Im Fussball geht es nicht nur um die Ehre, es geht auch um die Existenz. Viel Geld ist im Spiel. Geld, das der Unihockeyaner in seinem Leben nie verdienen wird. Selbst wenn er in der Szene der grosse Star ist. Vielleicht ist das auch gut so...das grosse Geld würde aus dem Unihockeysport eine völlig neue Sportart machen. Gewisse Funktionäre und Präsidenten würden vielleicht den heute schon wackligen Boden definitiv unter den Füssen verlieren...doch dies ist eine andere Geschichte...über die ich den Mantel des Schweigens lege...
Sieg und Niederlage, umstrittene Schiedsrichter-Entscheide, baufällige Stadien oder unwürdige Swiss Mobiliar League-Spielhallen...wie ähnlich die beiden Welten sind...die Emotionen bleiben aber dieselben. Um zu gewinnen braucht es Tore, bei Niederlagen gerät man immer mehr in die Kritik und vor allem unter Druck. Und doch die Emotionen sind die gleichen. Früher, bei Spielen der verschiedenen Nationalmannschaften oder des UHC Dietlikon konnte ich fast nie ruhig sitzen...das Adrenalin schoss in meinem ganzen Körper herum...meistens war ich nach dem Spiel müder als die Akteure auf dem Feld. Durfte ich im Unihockey viele schöne Erfolge feiern, so lerne ich im Moment beim FC Zürich auch die andere Seite kennen, jene der schweren Zeiten. Und doch bereue ich meinen Wechsel in die Fussballwelt nicht. Denn was wäre ich im Sport ohne all diese Emotionen durchlebt zu haben. Ich wäre vielleicht einer jener Zuschauer, der auf der Tribüne nach rund 30 Minuten den Sitznachbarn fragen würde: „ ja weles isch jetzt der FCZ? Die in Schwarz-gälb oder in wiis?“ Die Dimensionen sind anders – die Emotionen bleiben aber dieselben. Darum merke: spiele und lebe deinen Sport mit viel Emotionen – denn nur mit viel Emotionen liebst du und lebst du deinen Sport wirklich...egal ob zu den Besten oder den weniger Begabten zählst...Hauptsache du fühlst die Emotionen und denkst nicht nur an den grossen Zahltag Ende Monat...
Samstag, 13. März 2010
Andere Dimensionen – gleiche Emotionen !!!
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