Sonntag, 28. März 2010

Gutbezahlte Profis unterstützen den Frauen-Sport

Ich habe es in meiner über 12-jährigen Erfahrung im Unihockey-Sport immer wieder gehört:

„Was das söll Unihockey si, was d’ Fraue spielet?“ Diese Aussagen kamen natürlich meist

von männlichen Unihockeyanern…selbst bestandene und angesehene Nationalspieler

liessen mit solchen und ähnlichen Aussagen immer klar erkennen, was sie vom Frauen-Unihockey

halten. Nun gut, es ist natürlich schnell „gefachsimpelt“ und sonnenklar, dass mich diese

Aussagen oft gestört haben. Das Schweizer Frauen-Unihockey darf auf sehr erfolgreiche

Jahre zurückblicken…das darf man einfach nicht vergessen. Ich bin mir aber auch bewusst, dass

es die Herren deutlich schwerer haben einen WM-Titel zu erringen. Trotzdem: in erster Linie geht

es doch im Prinzip um das, was alle wollen oder zumindest immer so tun als ob es ihnen wichtig

ist – es geht um den Respekt! Im Fussball hat es auch Zeit gebraucht, bis die Profis überhaupt

davon Kenntnis genommen haben, dass auch Frauen „ihre“ Sportart betreiben. Die grossen

Clubs (FCZ, Basel, GC und auch YB) haben nun auch seit einigen Jahren Frauen-Teams.

Die FCZ Frauen sind zurzeit amtierende Schweizer Meisterinnen. Der FCZ bekennt sich zu seinen

Frauen! Was wie ein Werbe-Slogan klingt ist Tatsache. Die Fussball-Profis machen es vor.

 

Gemeinsames Poster und Doppelspiele

 

Jedes Jahr im Sommer, wenn die neue Saison ansteht kommt es im Stadion Letzigrund zum

Fototermin. Bisher war es reine Männersache. Seit zwei Jahren hat sich dies aber geändert.

Das Frauen-Team und die Profis posieren gemeinsam auf einem Bild. Das Foto wird später

zu einem Poster gedruckt und dieses Poster ist im FCZ-Fanshop ein richtiger Kassenschlager.

Damit aber nicht genug: Zum dritten Mal bereits findet am 17. April nach einem Heimspiel

des FCZ eine Partie der FCZ Frauen im Stadion Letzigrund statt. FCZ Frauen gegen den FC Thun

heisst dann die Affiche. Gut, es bleiben nicht alle Zuschauer im Stadion, aber wer sicher bleibt

sind die Spieler der 1. Mannschaft, die Herren unterstützen auch da das Frauen-Team. Was viele

jetzt nicht gerne lesen ist aber Realität: Der FCZ macht’s vor. Ein klareres Bekenntnis kann

es nicht geben. Deshalb liebe Unihockeyaner: Respekt ist, wenn man nicht nur stolz und

stark lächelt, wenn man ein Frauen-Spiel mitverfolgt. Ich beziehe keine Position und weible

nicht für das Frauen-Unihockey, aber Ehre wem Ehre gebührt und Respekt dem wer respektiert

Der Fussball machts vor.

 

 

 

Giovi Marti

Freitag, 26. März 2010

Giftspritze auf floorballstar.com

Abgang durch die Hintertür - schöne Ferien!

Die erstmalige Durchführung der Playoff-Viertelfinals hatte es in sich. Nicht zuletzt dank des Wahlverfahrens und mutigen Entscheiden der Klubverantwortlichen (einige würden im Nachhinein wohl anders entscheiden) kam es zu vier Derbys. Und siehe da: Nach den Viertelfinals waren die Nr. 2, 3, 4 und 5 nicht mehr dabei. Nur noch Wiler-Ersigen konnte verhindern, dass ein Team den Titel holt, das nach dem alten Modus gar nicht die Playoffs erreicht hätte. Dieses Team könnte nun Rychenberg sein, welches als Überraschungsteam schlechthin von Rang 6 aus in den Final vorstiess.

Doch befassen wir uns zuvor mit dem Favoritensterben, welches weder von der Unihockey-Journaille oder den Foren aufgegriffen wurde und selbstredend noch weniger auf den einzelnen Pages der Vereine ein Thema war. Wie schön war es doch jeweils, als man das eigene Scheitern noch mit dem Häme über Niederlagen des SVWE kaschieren konnte. Da war wenigstens noch was los, jetzt herrscht einfach Funkstille. Als zusätzliches Mittel gegen das Eingestehen eines Scheiterns sei jener Spruch empfohlen, den man sich auch beim SVWE schon zu Recht legt im Falle einer Finalniederlage: "There is always a next season"!

 

 Das Favoritensterben in der Analyse

 

Alligator Malans -  weltmeisterliches Missverständnis. Die Enttäuschung der Saison schlechthin. Grosse Aufbruchsstimmung war in Malans dem Vernehmen nach spürbar bei der Ankunft von Weltmeistertrainer Petteri Nykky. Weltmeisterlicher Glanz hielt in der Lust Einzug. Geblieben ist wohl nun ein grosser Frust. Aus 27 Pflichtspielen resultierten gerade Mal 15 Siege. Out im Cup-Achtelfinal gegen den SVWE, Out im Playoff-Viertelfinal gegen Chur. Trotzdem fühlte man sich bemüssigt, auf der Malans Homepage das SVWE-Cuphalbfinalout zu kommentieren und machte aus, dass die Fahnen in Zuchwil wohl auf Halbmast stünden. In der Herrschaft wurden diese dafür schon Ende Februar eingerollt. Jetzt blieb immerhin ein Monat Zeit, die gewieften taktischen Vorgaben des Weltmeistertrainers und das in der Schweiz noch nie gesehene Pass-Spiel ganz ohne Wettkampfdruck zu verfeinern. Schön, dass der „unabhängige“ hauseigene Unihockey-Experte uns mit der Maximalbewertung von den Fähigkeiten Nykkys immerhin erahnen liess, wie dessen Handschrift die Malanser hätte prägen können. Gesehen haben wir es auf dem Feld leider nicht. Aber dann sicherlich im zweiten Jahr unter Nykky, oder folgt dieses etwa gar nicht.? Dann blieben ja immerhin das Erbe der talentierten Junioren, welche der Finne nachhaltig in seinem Team einbaute. All die Youngsters wie Hirschis, Garnier, Danuser, Rindlisbacher, Buff oder Grüter sorgten für Furore. GC Unihockey - falsche Fans und falsches Timing. Die Saison mit vier Pleiten eröffnet, dazwischen erfolgreich ohne Ende, um mit vier Niederlagen aus den Playoffs zu kippen. Irgendwas ist da falsch gelaufen bei den ambitionierten Zürchern - scheint der Fokus jeweils nicht rechtzeitig gefunden zu werden. In den Playoffs bleibt dann halt keine Zeit mehr zur Korrektur. Immerhin können die Grasshüpfer beanspruchen, während den Playoffs die feurigsten Fans in ihren Reihen präsentiert zu haben. Ganz untypisch im Schweizer Sport: GC als Fanmagnet. Dem Letzigrund-Dach sei Dank. Und natürlich hat GC auch eine viel spitzere Feder in seinen Reihen, als die SVWE-Giftspritze, äxgüsi Giftschleuder. Dank diesem hochkarätigen GC-Kolumnisten wissen wir mittlerweile, dass im Unihockeysport alle „Eier haben“ - ausser ausgerechnet die GC-Spieler, welche sich öffentlich beklagten, dass der Vorstand den Gegner ausgewählt habe und nicht die sportliche Leitung.    Köniz - ver(sch)worrene Einheit. Trotz unglaublich guter Stimmung im Team und unglaublichem Vertrauen seitens der Trainercrew konnten die Könizer die Halbfinalserie gegen die "Rüpeltruppe" aus Langnau nicht überstehen, obwohl sie doch eigentlich das bessere Team stellten. Denn Köniz hatte ja auch schon während der Saison den Beweis erbracht, dass es sogar den SVWE schlagen könne (auch wenn es nie gelang, war es so auf der Homepage zu lesen). Da waren wohl irgendwie die Sinne verworren. Sinnbildlich auch Calebssons Abgang – quasi durch die Hintertür - verlässt er Köniz, verabschiedet bei einem U21-Spiel, immer noch ohne Meistertitel, dafür die Taschen voller Geld. War Calebsson mit dem Kopf während dem Halbfinal etwa schon bei Pixbo, wo er sich während der Playoff-Serie (!) als neuer Heilsbringer ankünden liess? Ob Pixbo ab März wohl wenigstens sein Honorar übernahm.

 Die Heja, Hopp Tigers Den Hut ziehen müssen wir immerhin vor den Tigers Langnau, welche uns diese Überraschungen mit ihrem achten Qualirang beschert haben. Die Tigers sind die Helden schlechthin, haben sie sich doch an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen. Wie sie das geschafft haben, hat sicherlich viele Gründe. Spezielle Erwähnung verdient das härzige  „Hopp und Heja Tigers“, welches gebetsmühlenartig an jeden Bericht angefügt wird, welche natürlich auch anders als die sabbernden Texte des SVWE daherkommen. Erstaunlich auch die Reaktionszeit bei Siegen und Niederlagen auf der Tigers-Homepage. Die Halbfinalserie gegen Köniz war noch nicht einmal beendet, da schien der Matchbericht schon auf der Homepage publiziert. Auf den Bericht der Niederlage gegen den SVWE in der Qualifikation warten wir heute noch, ebenso auf Zeilen des Tigers-Dichterfürsten zum Ausscheiden im vierten Halbfinalspiel. Oscarverdächtig dafür der Abgang von Philipp Soutter, der sich trotz zwei Cupsiegen, SM-Silber- und Bronze als gescheitert betrachtet. Sein Nachfolger dürfte wohl schon froh sein, wenn er überhaupt zwei Saisons überlebt.

 

Beschliessen wir unsere Rundreise mit einem Besuch der Galaktischen. Nein, nicht jene von Real Madrid, sondern diejenigen von AIK Stockholm. Seitenweise waren sie nach dem Blitzstart in die Saison in einem schwedischen Unihockeyteam porträtiert worden, als vielleicht bestes Team aller Zeiten apostrophiert. Just in jenen Wochen als SSV Helsinki den Europacupsieg holte, den AIK freiwillig abgab, weil es diesen Titel als „nonvaleur„ einstufte. Nun denn, das beste Team aller Zeiten beendete die Qualifikation in Schweden schliesslich auf Rang drei und muss als einziger Favorit in den Playoff-Viertelfinals in ein fünftes Spiel.

Die Giftspritze ist eine unabhängige Meinungsäusserin, deren Zeilen nicht mit der Meinung der Mehrheit der SVWE-Mitglieder übereinstimmen muss und die insbesondere nicht als Motivationsspritze für die Gegnerschaft angesehen werden will, weil darunter womöglich die erste Mannschaft des SVWE zu leiden hätte. Hopp SVWE! Heja SVWE!

Samstag, 20. März 2010

Das Stadion Letzigrund im Moment wie die Hüehnerweid in Dietlikon

Sieben Jahre lang war ich beim UHC Dietlikon tätig. Zuerst nur als Teammanager und dann fast fünf Jahre Sportchef. Ich habe eine unvergessliche Zeit beim UHCD erlebt. Viele Erfolge und viele gute Freundschaften, aber auch eine gewisse Lebensschule…all das nehme ich mit in die Jahre. Während meiner Zeit in Dietlikon haben viele gute Spielerinnen das Trikot der Gelbblauen getragen. Noch heute sind Spielerinnen im Kader, die zur Weltklasse gehören. Ein grossartiges Team…dafür aber eine unwürdige Heimhalle. Wer kennt sie nicht, die Dietliker Hüenerweid? Unglaublich, dass wir in all dieser Zeit überhaupt berechtigt wurden unsere Heimspiel dort auszutragen…Wie oft hat man es versucht eine neue, moderne Dreifach-Turnhalle mit Zuschauer-Tribüne auf Gemeindegebiet aufzustellen. Der Goodwill war bei gewissen Politikern da, bei gewissen Parteien auch…bei anderen jedoch biss der Verein stets auf Granit. Eigentlich muss man von einem Skandal sprechen! Im Wahlkampf boten sie uns alle die Hand an, kaum gewählt, wollte niemand mehr etwas von einer neuen Halle wissen…heieiei die Politik…

 

Nun gut…die Titel haben wir auf fremden Boden gewonnen. Der Gemeinderat von Dietlikon zeigte sich auch stolz und unterstützte und immerhin finanziell. In Dietlikon wird auch heute noch bekanntlich in der Hüenerweid gespielt. Wer schon mal ein Spiel gesehen hat weiss, dass sich ihm im oberen Stock eine Sicht aufs Spielfeld bietet etwa wie im Stadion Letzigrund heute. Die Stahlstützen gleichen „Arianne5-Raketen“, der Ärger der Fans ist gross. Beim ersten Spiel unter diesen Verhältnissen, dem Heimspiel des FCZ gegen den FC Luzern hatte ich wirklich eine Art „Dejà-vu“.

Soweit sind wir schon. Wobei im Gegensatz zur Hüehnerweid machen der Heimstätte des FCZ bauliche Mängel zu schaffen. Die Politiker haben auch in diesem Fall Hilfe geboten. Das Thema „Stadion“ war im kürzlich geführten Wahlkampf für die Stadt-und Gemeinderatswahlen vom 8.März in Zürich der Dauerbrenner. Nun wird diskutiert. Man schiebt sich ein bisschen den Schwarzen Peter hin und her und weckt natürlich das Interesse der sonst schon hungrigen Medien.  Unglaublich: Probleme mit der Heimstätte beim UHC Dietlikon und nun auch beim FC Zürich.

 

Fazit: du lebst für deinen Club, du fieberst genauso jedem Tor deiner Mannschaft entgegen. Wenn Du nicht aufs Spielfeld siehst, dann lass es Dir von einem Sitznachbarn nacherzählen. Wenn auch er nichts gesehen hat, dann bleibt noch das Fernsehen…im Unihockey dürften vielleicht am Ende einer Partie,in einer Halle mit

schlechter Sicht, die Team-Videos zum grossen Verkaufsrenner werden…vorausgesetzt natürlich, dass das eigene Team als Sieger vom Platz geht…

 

 

Giovi Marti

Mittwoch, 17. März 2010

Neuheiten zum ersehnten Playoffbeginn

Neuheiten zum ersehnten Playoffbeginn

Mit dem Heimspiel gegen Falun fiel endlich der Startschuss zu den Playoffs. Im Vorfeld wurde viel über sie geschrieben und geredet, vor allem aber wurden sie von den Spielern herbeigesehnt. Geredet wurde vorwiegend über die Ausgangslagen in den Serien, oft spekuliert und getippt wurde über den Ausgang: Qualisieger Caperiotäby wählte Balrog, um für das Vorjahresaus Revanche zu nehmen. Storvreta entschied sich für Dalen (mit Cédi Rüegsegger), das es letztes Jahr im Viertelfinal ausschaltete. Wir entschieden uns für das emotionsgeladene Duell mit Falun, Warberg empfängt Helsingborg zum Westküstenderby.

Die Ausgangslage unserer Serie gegen Falun wurde gemeinhin als offen angesehen, man war sich auf jeden Fall einig, dass es – wie fast immer zwischen den Teams – hartumkämpft und eng zur Sache gehen würde. Falun hat zwar aufgrund unkonstanter Leistungen lange um den Einzug in die Playoffs gebangt, dafür aber im Frühjahr aufsteigende Tendenz gezeigt und besser eingeschätzten Teams das Leben meist schwer gemacht. Ihre Qualitäten sind klar in der Offensive angesiedelt, wo sie über mit ihrem Diagonalspiel, Powerplay und einigen Schützen für Torgefahr sorgen sowie mit Enström, Malmström und Lundmark über Punktelieferanten verfügen.

Zu Beginn hatten sie denn auch gleich Oberwasser und nach der frühen Führung eine doppelte Überzahl. Unser Boxplay vermochte diese jedoch nicht nur zu überstehen, sondern erzielte – mit dem dritten Shorthander im dritten Spiel der Saison gegen Falun – den Ausgleich. Rasch und überraschend einfach kamen wir zu einer komfortablen 4:1-Führung nach 15 Spielminuten, die sich als letztlich ausschlaggebend erwies, um den ersten Sieg einzufahren. Einzig als Falun mit einem Doppelschlag auf 6:5 verkürzen konnte, wurde es noch einmal spannend.

Neuerungen im Vergleich zur Qualifikation gab es insbesondere auch Rundherum: Pünktlich auf die Playoffs erhielten wir neue Matchdresses und traten erstmals wie die AIK-Fussballer mit der Kombination von schwarzen Shirts und weissen Hosen an. Des Weiteren gab es ein neues Matchplakat, eine neue Ausgabe des Clubheftes und auf der Homepage wurde das Online-Magazin „Inside AIK“ eingeführt: Wöchentlich folgt ein siebenminütiger Artikel rund um die Lage unserer Mannschaft, moderiert wird die Sendung von zwei etablierten Sportjournalisten. Mehr dazu und sonstig Wissenswertes findet sich hier (Link: www.aik.se/innebandy).

In der Kürze…

Ø      Spielen gegen David Blomberg (AIK-Balrog in der letzten Qualirunde) ist nicht halb so lustig wie spielen mit ihm – ganz zu schweigen davon, dass uns einzeln zuschauen auch nur halb so viel Spass bereitet.

Ø      Mein Teamkollege Kim Nilsson (Bild) knüpft nach seiner Leistenverletzung da an, wo er zuvor aufgehört hat

Ø      Kleiner Leckerbissen von Niklas Maripuu: http://www.youtube.com/watch?v=5Gw-enHmHmM#watch-main-area

Ø      Mit der Frühlingswärme einher geht die Schneeschmelze – und damit zahlreiche „Glunggen“.

Ø      Montag und Freitag als Spieltage bedeuten auch: freie Wochenenden (mit Ausnahme der Trainings am Samstagmorgen).

Hier geht es zu den Shirts von Anti

Samstag, 13. März 2010

Johan und seine Unihockey-Vergangenheit!

Beim FC Zürich sind die unterschiedlichsten Spieler unter Vertrag. Romands, Schweden, Franzosen, Italiener…und woher sie sonst noch alle kommen…das Team ist eine Multi-Kulti-Truppe. Als ich kürzlich bei einem Mannschaftsessen einigen Spielern über meine sportliche Vergangenheit erzählt habe, erwähnte ich natürlich auch Unihockey. Die Reaktionen waren unterschiedlich…“Unihockey? Das ist doch die Sportart bei der Schwedenkästen als Tore und die Bänklis als Bande genutzt werden“, meinte Goalie Johnny Leoni. „Uni..what?“ …war die Frage unseres Nigerianers Onyekachi Okonkwo kurz Tico genannt. „Floorball? What’s that?“ Die Fragerei nahm beim verdutzten Afrikaner kein Ende. Bevor ich nur den Ansatz einer Erklärung geben konnte war es zu meiner Überraschung Johan Vonlanthen, der seinem Teamkollegen ganz genau sagte, worüber der Medienchef gerade gesprochen hatte. „ Weisst du Tico, auch ich habe Unihockey gespielt. In der Schule habe ich es
geliebt, es war der ideale Ausgleich zu Fussball….und he Tico: ich war nicht mal so schlecht“, erzählt der Schweizer Nationalspieler.

Der Nigerianer verstand zwar immer noch „Bahnhof“ immerhin aber wurde ihm bewusst, dass ich nicht der einzige Schweizer bin, der Unihockey kennt. „Und wie spielt man Unihockey“, fragte er Vonlanthen. „Du brauchst einen Stock, einen Plastikball mit vielen Löchern und schon kann es losgehen“, erklärte ihm Johan. Es war köstlich den beiden zuzuhören. Vor allem den Gesichtsausdruck unseres nigerianischen Mittelfeldspielers hätte man fotografieren müssen. Was mag sich Okonkwo in diesem Moment gedacht haben? Was hat er sich vorgestellt, wenn er an die Sportart Unihockey dachte? Nach einigen Minuten zog er sein Fazit: „How funny…you play hockey with plastic-sticks on the ice…“ Johan Vonlanthen übte sich in Geduld. Erneut erklärte er seinem Teamkollegen fast schon rührend worum es geht. Nun schien Tico verstanden zu haben. Unihockey sei eine Sportart, in der die Schweizer wohl brillieren müssen. Ob auch Nigeria eine Nationalmannschaft stelle fragte er dann. Die Enttäuschung war gross als er erfuhr, dass in seinem Heimatland die Wörter „Unihockey“ oder „Floorball“ genauso unbekannt sind wie uns beispielsweise eine nigerianische Spezialität, nämlich Kulikuli (Fleischbällchen)…ist.

Immerhin weiss Onyekachi Okonkwo heute worüber sein Teamkollege Johan Vonlathen gesprochen hat. Mein Freund Johan überrascht mich immer wieder. Alles hätte ich ihm zugetraut nur nicht eine Unihockey-Vergangenheit. „Mit meiner Schnelligkeit und meiner Stocktechnik war ich der beste Spieler der Klasse“, erklärt der schweizerisch-kolumbianische Doppelbürger. „Wir müssen mal ein Mätschli organisieren, dann zeige ich dir was ich meine. Zieh dich warm an amigo“, fügte er hinzu. Als er mir dann den SV Wiler-Ersigen als aktuell bestes Männerteam im Schweizer Unihockey nannte, da war ich also definitiv verblüfft. Fazit: Unihockey ist wenn der Nigerianer beim FCZ eine neue Welt entdeckt und nun zu Hause in Lagos wer weiss was erzählt…Unihockey ist aber auch, dass die Schweiz mit Johan Vonlanthen wie die Schweden mit Henrik Larsson einen Profi-Fussballer mit einer Unihockey-Vergangeheit hat. Ach ja…inzwischen hat sich auch Goalie Johnny Leoni vergewissern können, dass Unihockey mehr als nur Schwedenkästen und Bänklis ist…

Cupfinaltag: Der 1. August des Schweizer Unihockeys

Wie jedes Jahr am ersten Märzsamstag ist es soweit: Die Cupfinals stehen vor der Tür. Ein Höhepunkt in der Karriere aller im Einsatz stehenden Spieler, ein Stelldichein der selbsternannten und tatsächlichen Unihockey-Prominenz auf der Tribüne und ein ungewohnt breites Zuschauer- und Medieninteresse. Dies alles macht den rundherum professionell organisierten und reibungslos durchgeführten Anlass zu einem Event, der seit Jahren einen festen Platz im Schweizer Unihockey-Kalender einnimmt. Natürlich geht es sportlich um Medaillen, einen der zwei zu gewinnenden Titel und die damit verbundene Berechtigung zur Teilnahme am Europacup-Qualiturnier.

Dennoch: Die Bedeutung der Cupfinals liegt vor allem im Erlebnis, die die für alle Beteiligten ungewohnte, oder zumindest nicht alltägliche, Atmosphäre mit sich bringt. Ein Spiel in der ausverkauften grössten Sporthalle ist etwas ganz anderes als ein gewöhnliches Qualispiel vor, wenn überhaupt, ein paar hundert Zuschauern. Keinesfalls unberechtigt wird oft die Floskel bemüht, dass es sich genau für solche Spiele lohnt, den beträchtlichen Aufwand der zahlreichen Stunden im Trainingsalltag auf sich zu nehmen. Wie stimmungsvoll der Rahmen am Cupfinal ist, zeigt sich auch im Vergleich mit der schwedischen Superliga: Dort liegen zwar die durchschnittlichen Zuschauerzahlen höher als in der Schweiz, Cup-Wettbewerb gibt es jedoch keinen (mehr). Über 3'000 Zuschauer hatte es in der aktuellen Saison bislang einmal, und auch in den Playoffs dürfte diese Zahl lediglich anlässlich des Finalspiels übertroffen werden – da dann allerdings deutlich.

Es mag zutreffen, dass nicht jede/r dem Cupfinal die gleich umfassende Bedeutung zumisst wie ich. Zugegeben ist obige Einschätzung nicht unwesentlich von meinem persönlichen Bezug zum Cupfinal abhängig. Wie sämtliche Vereinsmitglieder von Floorball Köniz, dem lokalen Organisator, hatte auch ich stets einen Helfereinsatz zu leisten. Zunächst fristete ich meist einem Laufburschen-Dasein im Bereich Buvette, bevors bei den letzten Austragungen dann darum ging, am Vorabend den internationalen Boden zu verlegen – welcher übrigens ein weiteres Pro-Argument aus der Spieler-Perspektive darstellt. Lediglich einmal konnten meine SML-Kollegen und ich uns vor dem Aufstellen drücken, weil wir uns wie diesmal Langnau und WaSa den Bubentraum erfüllten und selbst mit von der Partie waren. Dank dem Sieg über Wiler, notabene dem ersten, bei dem ich mittat, habe ich einen Cupsieg im Palmares, das – in Bezug auf Titel mit der Mannschaft auf Aktivebene – bis heute aus eben diesem Cupsieg besteht.

Um von der Nostalgieebene wieder in der Aktualität zurückzukehren: Ein Grund für die Popularität des Cupfinals ist auch sein Zeitpunkt. Er steht immer auch als Zeichen dafür, dass die entscheidende Phase der Meisterschaft eingeläutet wird. Zwar ist für drei der vier in der Quali bestklassierten SM-Ligisten die Spielzeit bereits beendet, trotzdem ist das Meisterrennen mit den bevorstehenden Halbfinals so richtig lanciert. Dasselbe gilt für die finnische und schwedische Liga, wo nächste Woche die Viertelfinals beginnen. Endlich geht’s los – mehr dazu in Kürze. Apropos:

In der Kürze…

  • Die Quali-Ränge 2-4 out – sportlich cleveres Wählen funktioniert anders.

  • Rychenberg-Chur, nicht direkt ein erwarteter Halbfinal. Schon gar nicht vor der Saison.

  • Piranha-Burgdorf und Dietlikon-Red Ants, schon eher erwartet.

  • Saisonende im Februar – besonders angenehm für die (potentiellen) Natispieler.

  • Rechtzeitig auf die Playoffs ist es endlich weniger dunkel und kalt.

  • Sportwoche“ – komischer Ausdruck für eine unterrichtsfreie Woche, in der ich weniger mit Sport zu tun hatte als gewöhnlich.

Andere Dimensionen – gleiche Emotionen !!!

Am 1. September 2009 habe ich beruflich gesehen einen grossen Schritt gewagt. Nach fast 10 Jahren Radio 24 und meinem (mehr oder weniger freiwilligen und stillen) Abschied nach 12 Jahren aus dem Unihockeyverband habe ich in die grosse Welt von König Fussball gewechselt. Als Leiter Kommunikation des FC Zürich begann für mich eine neue Ära. Ich habe eine Dimension betreten, von der ich in Vergangenheit nur träumen konnte. Plötzlich stand ich da auf den grossen Bühnen der Schweiz und auch Europas. Die Gegner hiessen statt Piranha Chur, Burgdorf Wizards oder Red Ants Rychenberg Winterthur von nun an FC Basel, YB, Real Madrid oder AC Milan. Plötzlich habe ich es nicht mehr mit Unihockey-Grössen wie Natalie Stadelmann, Matthias Hofbauer, Mirca Anderegg oder Marc Dysli zu tun. Nun betreue ich die Herren Vonlanthen, Magnin und Leoni und führe Smalltalks mit Raul, Gattuso oder Marco Streller. Andere Namen, andere Dimensionen. Was gleich geblieben ist, das sind meine Emotionen. Das Herzklopfen ist immer noch da. Egal ob in der Churer Gewerbeschul-Halle vor 120 Zuschauern oder im legendären Santiago Bernabeu vor 78'000 Zuschauern ein Spiel verfolge. Wer mich kennt weiss wie ich während den Spielen „meiner Mannschaften“ mitgehe, mitfiebere, mitleide und mitjuble... nach all diesen Jahren hat sich diesbezüglich nichts verändert. Mein Puls schlägt noch immer in nicht bezifferbarem Tempo...früher 3 x 20 Minuten effektiv...heute 90 ja sogar manchmal bis über die 93. Minute hinaus...bei einem Sieg würde ich am liebsten die ganze Welt umarmen...bei einer bitteren Niederlage bin ich der einsamste Mensch auf Erden.

Die Sportart ist heute eine andere in der ich wirke und in der ich lebe. Die medialen Dimensionen sind für einen „Nichtfussballer“ unvorstellbar. Im Fussball geht es nicht nur um  die Ehre, es geht auch um die Existenz. Viel Geld ist im Spiel. Geld, das der Unihockeyaner in seinem Leben nie verdienen wird. Selbst wenn er in der Szene der grosse Star ist. Vielleicht ist das auch gut so...das grosse Geld würde aus dem Unihockeysport eine völlig neue Sportart machen. Gewisse Funktionäre und Präsidenten würden vielleicht den heute schon wackligen Boden definitiv unter den Füssen verlieren...doch dies ist eine andere Geschichte...über die ich den Mantel des Schweigens lege...

Sieg und Niederlage, umstrittene Schiedsrichter-Entscheide, baufällige Stadien oder unwürdige Swiss Mobiliar League-Spielhallen...wie ähnlich die beiden Welten sind...die Emotionen bleiben aber dieselben. Um zu gewinnen braucht es Tore, bei Niederlagen gerät man immer mehr in die Kritik und vor allem unter Druck. Und doch die Emotionen sind die gleichen. Früher, bei Spielen der verschiedenen Nationalmannschaften oder des UHC Dietlikon konnte ich fast nie ruhig sitzen...das Adrenalin schoss in meinem ganzen Körper herum...meistens war ich nach dem Spiel müder als die Akteure auf dem Feld. Durfte ich im Unihockey viele schöne Erfolge feiern, so lerne ich im Moment beim FC Zürich auch die andere Seite kennen, jene der schweren Zeiten. Und doch bereue ich meinen Wechsel in die Fussballwelt nicht. Denn was wäre ich im Sport ohne all diese Emotionen durchlebt zu haben. Ich wäre vielleicht einer jener Zuschauer, der auf der Tribüne nach rund 30 Minuten den Sitznachbarn fragen würde: „ ja weles isch jetzt der FCZ? Die in Schwarz-gälb oder in wiis?“ Die Dimensionen sind anders – die Emotionen bleiben aber dieselben. Darum merke: spiele und lebe deinen Sport mit viel Emotionen – denn nur mit viel Emotionen liebst du und lebst du deinen Sport wirklich...egal ob zu den Besten oder den weniger Begabten zählst...Hauptsache du fühlst die Emotionen und denkst nicht nur an den grossen Zahltag Ende Monat...