Im Sport liegen Sieg und Niederlage nahe beieinander. Egal in welcher Sportart: am Ende der Saison gibt es immer einen Meister. Nur, was passiert in den Köpfen jener, die am erfolgreichen Team gescheitert sind oder selber gerne mal einen Titel gewinnen würden? Es ist manchmal schwierig diese Gedanken nachzuvollziehen. Beim FC Zürich habe ich diese Saison beides erlebt – Sieg und auch Niederlagen…vor allem Niederlagen. Als noch amtierender Schweizer Meister ist man das gejagte Team, jeder will den FCZ bezwingen. Vor allem weil man sich im letzten Herbst auch mit den besten Teams Europas messen durfte. Man darf nicht vergessen: gegen Marseille gab es zwei Niederlagen, gegen die Galaktischen aus Madrid auch. Gegen die AC Milan holte der FC Zürich vier Punkte!!! Nun, die Kommentare nach dem Ausscheiden des FCZ gingen von „Schämt Euch“, „Die Haut so teuer verkauft wie möglich“ oder „Der FC Basel hätte bestimmt besser abgeschnitten“...was soll man dazu sagen? Am besten gar nichts.
Nun liebe Freunde, dieses Phänomen erlebt man nicht nur im Fussball. Auch im Unihockey gibt es Neider, sehr viele sogar. Beispiele gibt es genug. In meiner Zeit als Sportchef beim UHC Dietlikon musste ich von anderen Sportchefs oder „Nicht-UHCD-Sympathisanten“ einiges einstecken. „Ihr chaufet alles zäme“, „Ihr machet de Unihockeysport kaputt mit oiere Transferpolitik“ oder noch besser „Ihr sind ja so arrogant und versprechet de Lüüt s’ Blaui vom Himmel demit ihr die beschte Spielererinne hole chönd“….ja das war der Tenor damals…ich musste gar nicht gross darauf reagieren, denn schliesslich sprachen die Ergebnisse und die Erfolge am Ende
einer Saison für sich. Ich bin überzeugt, dass auch die Verantwortlichen beim SV Wiler-Ersigen ähnliche Geschichten zu erzählen haben. Erfolge sind nun mal gute
Visitenkarten, vor allem bei Transfergesprächen.
Wenn ich heute die Tabellen der Herren und der Frauen SML anschaue, dann muss
ich schon etwas schmunzeln. Gewisse Vereine haben statt Fortschritte viel mehr Rückschritte gemacht. Aber gerade diese Clubs kritisieren immer wieder die Spitzenclubs oder setzen sich selber den Stempel „Topclub“ auf. Strategien oder Methoden kann man nicht einfach kopieren. Man muss auch die Strukturen und das richtige Personal haben. Sonst geht’s in die Hose. Dies bekommen heute eben gewisse Vereine zu spüren. Das ganze ist vergleichbar mit all den Diäten: Es gibt keine universelle Kur, die allen hilft. Und wenn ich mit einer Methode 22 Kilo in drei Monaten abgenommen habe, heisst das nicht, dass mein Nachbar mit derselben Kur den genau gleichen Erfolg verzeichnet. Wiler-Ersigen arbeitet seriös. Dass Piranha Chur endlich Schweizer Meister geworden ist, wundert mich gar nicht. Ebenfalls nicht überrascht bin ich, dass die Red Ants wieder ein Topteam sind. Arbeiten und nicht beneiden, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wer am Ende Meister wird verdient Respekt und Anerkennung. Alles andere ist Kindergarten!
Die wahren Freunde und nicht die Heuchler sieht man gerade in solchen Momenten.
Bleibt mir also zum Schluss dem SV Wiler-Ersigen zum Titel und zum Top-Transfer von Henrik Quist zu gratulieren. Gratulation auch an die Red Ants aus Winterthur. Sie haben den Playoff-Final verloren. Der Verein hat aber im richtigen Moment einen Schnitt gemacht und einige titellose Saisons in Kauf genommen. Nun kommt man wieder dorthin, wo man hingehört. Gratulieren will ich aber vor allem Piranha Chur. Es wurde höchste Zeit, dass Spielerinnen wie Brigitta Wegmann und Sabrina Arpagaus Schweizer Meisterinnen geworden sind. Und dass in Chur neben Mirca Anderegg und den Kujala-Schwestern auch die U19-Weltmeisterinnen Flurina Marti, Corin Rüttimann oder Seraina Ulber einen grossen Anteil am Erfolg haben soll auch eine Botschaft sein. Teure Ausländerinnen mit grossen Namen können helfen nur bei Saisonbeginn als Transfersieger da zu stehen. Wenn man aber Meister wird mit hauptsächlich eigenen Juniorinnen…dann hat man doppelt gewonnen.
Giovanni Marti

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