Am Samstagabend kommt es zum vierten Spiel in der Halbfinalserie zwischen meinem AIK und Qualisieger Caperiotäby. Weil wir an einem missglückten Osterwochenende gleich beide Spiele verloren, liegen wir in der Best-of-Five-Serie mit 1:2-Siegen hinten und stehen damit mit dem Rücken zur Wand. Die Ausgangslage für den Rest der Saison, die noch ein bis drei Spiele lang sein wird, ist denkbar einfach: „vinna eller försvinna“ (deutsch: gewinnen oder verschwinden). Oder anders ausgedrückt: Ab sofort ist verlieren verboten.
Mit einem überraschenden und erst noch klaren Auswärtssieg (4:9) starteten wir komfortabel in die Serie. Das ausgeruhte Täby sah sich bereits zu einem Strategiewechsel veranlasst: Anstatt wie gewohnt Hawaii-Unihockey mit raschem Angreifen zu praktizieren, zogen sie sich kompakt zurück und liessen bei ihren Auslösungen viel Zeit verstreichen. Dass sie im zweiten Spiel früh mit zwei Toren in Führung gingen, kam ihnen dabei entgegen und führte, in Kombination mit einem uninspirierten Auftritt unsererseits, zu einem verdienten, nur am Schluss in Frage stehenden Sieg (3:5). Im dritten Spiel am Ostermontag, wiederum in der grünen, engen Tibblehalle, ging es über weite Strecken ausgeglichen zu und her, was sich im Spielstand von 4:4 bis fünf Minuten vor Schluss niederschlug. Dann kam der Auftritt des ansonsten auf dem Feld eher blassen Danne Bron-Sundbom, und auf sein entscheidendes Tor folgten noch ein paar unbedeutende zum 8:4-Endstand.
Neben dem Feld hatte Sundbom allerdings einen ungleich grösseren Auftritt, als er dem schwedischen Blick, dem Expressen, ein Interview gab. Darin gab er seine Meinung zu AIK preis und sprach von „einer schweinischen, widerlichen Mannschaft voller Scheisse“. Weiter sprach er von einer „fürchterlichen Feindschaft“, die darin gründe, dass Caperiotäby vor einigen Jahren, als es noch Rasunda hiess, so etwas wie der kleine Bruder AIKs war. Auf dem Feld geht es zwar schon zur Sache, dies jedoch im Rahmen dessen, was ich als gewöhnlich und üblich halte in Playoffs. Jedenfalls ist die jetzige Serie in Bezug auf Intensität, Härte, Unsportlichkeiten und schlimmeren Körperchargen sehr gemässigt im Vergleich zu unserer Viertelfinalserie gegen Falun. Da sprachen die Schiedsrichter beispielsweise im dritten Spiel 59 Strafminuten aus, darunter eine Matchstrafe, eine Zehn- und zwei Fünfminutenstrafen. Oder in Telegrammform: AIK 8x2 min 1x10 min, Falun 5x2 min 2x5 min 1 matchstraff.
Körperlich an die Grenzen stiess auch unser Trainer Ulf Hallstensson, der im entscheidenden fünften Viertelfinalspiel nach zwei Dritteln mit Schmerzen in der Brustgegend ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Seither ist er auf dem Weg zur Besserung, hat jedoch gesundheitlich bedingt das erste und das dritte Spiel der Halbfinalserie verpasst. Letzteres kurzfristig, so dass der mit einem Kreuzbandriss im Dezember ausgefallene Spieler Mats Carlsson als Assistenztrainer einspringen musste (siehe Bild).
Auch nach dem vermeintlichen Ende seiner Karriere sorgt Niklas Jihde für die grössten Schlagzeilen: Beruflich ist er als Reporter vom Spielfeldrand aus Eishockeyspieler am interviewen, Unihockey spielt er seit Ende Januar wieder, um mit Linköping den Aufstieg in die Superligan zu schaffen. Am Samstag vor zwei Wochen kam es zwischen diesen beiden Tätigkeiten zu einer Terminkollision. Dies veranlasste Linköping dazu, das entscheidende Aufstiegsspiel auf Morgens um 11 Uhr anzusetzen, damit Jihde zwei Drittel lang mittun konnte, bevor er mittels Privatjet ans Nachmittags-Eishockeyspiel geflogen werden konnte. Gelohnt hat es sich, mindestens sportlich, denn Jihde hat mit den Toren zum 2:0 und 3:0 den Weg zum Aufstieg geebnet.
Emanuel Antener

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen