Mittwoch, 21. April 2010

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt für eine Trainerentlassung?

Es war gegen Mittag, am vergangenen Dienstag, dem 20. April. Ich sass alleine im ersten Stock, im leeren Raum oberhalb der Saalsporthalle. In diesem Raum hatte ich während meiner Unihockeyzeit wunderbare Zeiten erlebt: Europacup 2005 mit den Siegen von Wiler-Ersigen und den Red Ants aus Winterthur; vor allem aber wurden in diesem Raum viele Partys nach den Star Games gefeiert. Für einmal aber, gab es in diesem Raum etwas Ernstes, etwas Trauriges abzuhandeln. Ex-FCZ-Trainer Bernard Challandes stellte sich, einen Tag nach seiner Freistellung den Medien. Es war ein emotionaler Moment, den ich nie vergessen werden. Ich gehöre zu denen, die sehr gerne mit Bernard Challandes gearbeitet haben. Wir haben viel gesprochen, vor allem in den letzten Wochen, als ihm mit dem FC Zürich einfach nicht viel gelingen wollte. Merci Bernard – tu es un grand homme!

 

Es gibt aber auch solche, die nur darauf gewartet haben. „Endlich ist er weg“, hört man unter den Fans. Die Clubleitung habe zu lange gewartet…hmm…was heisst das? Haben die Unihockey Tigers mit Philippe Soutter und GC Unihockey mit Patrick Berweger auch zu lange gewartet? Die Meinungen sind geteilt. Gibt es denn tatsächlich einen richtigen Zeitpunkt für eine Trainerentlassung? Ich kann nicht mich nicht festlegen und sage deshalb ja und nein. Nehmen wir Bernhard Challandes Vorgänger Lucien Favre als Beispiel aus dem Fussball. Lucien Favre übernahm 2004 den FCZ. Die erste Saison lief es dem späteren Hertha BSC-Trainer überhaupt nicht in Zürich. Die Mannschaft rutschte auf den letzten Tabellenplatz ab und Favre stand kurz vor dem Rauswurf. Ehrenpräsident Sven Hotz aber hielt am Waadtländer fest, obwohl aus der Südkurve die „Favre raus“-Sprechchöre immer

lauter wurden. Für diesen Entscheid wurde Sven Hotz am 13. Mai 2006 belohnt. Der FC Zürich gewann nach einer Durststrecke von 25 Jahren den Schweizer Meister Titel. 2007

wurde konnte man den Titel gar verteidigen. Der Trainer bei beiden Titeln hiess: Lucien Favre.

 

Was in negativen Zeiten auch immer wieder zum Thema wird ist die Frage: „Erreicht der Trainer überhaupt seine Spieler noch?“ Nun, das ist so eine Sache. Müsste man nicht eher die Frage stellen: „Hören die Spieler dem Trainer überhaupt noch zu?“ Ja,denn oft frage ich mich. Eigentlich sollte man eben statt dem Trainer manchmal die Mannschaft feuern

können. Denn warum spielen die Spieler unter einem neuen starken Mann auf der Bank

plötzlich besser? Es liegt nicht nur an der Taktik…

 

Andere Beispiele zeigen, dass Entlassungen auch negative Folgen haben können. Der FC Aarau oder die AC Bellinzona beispielsweise habe diese Saison drei Trainerwechsel vollzogen. Beide Teams kämpfen immer noch ums Überbleiben in der Super League. Was lernen wir daraus? Bei Trainerentlassungen und darauf folgende Neuanstellungen braucht es  neben viel Fingerspitzegefühl vor allem Glück. Nicht jeder Trainerwechsel bringt nämlich den gewünschten Effekt. Einen Zeitpunkt den Trainer zu entlassen gibt es aber nicht. Er kommt einfach und dann ist er da, unerbittlich und gnadenlos. FC Sion-Präsident, der Trainerentlassungen bestens beherrscht sagte mal: „Ich bin nicht derjenige, der den Trainer feuert. Der Totomat, die Resultate entscheiden das Schicksal eines Trainers.“ Wie wahr und trotzdem frage ich mich ob eine Trainerentlassung nicht auch ein Alibi für eine schlechte Personalpolitik in einem Verein ist…wer weiss.

Giovanni Marti

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